Wie Dornentinte gemacht ist

Das Rezept 37 des I. Buches des Traktats
"De diversis artibus - Von den verschiedenen Kuensten",
welches um 1100 von einem Moench Theophilus verfasst wurde,
gibt Aufschluss ueber eine Tinte, die aus Dornen hergestellt werden kann.
Ausgangsmaterial sind die Dornenzweige von Schlehen,
die im April oder Mai geschnitten
werden, bevor sie austreiben. Die aeste werden zunaechst
ein paar Tage zum Trocknen liegengelassen.




Dann wird die Rinde abgeklopft. Am besten benutzt man dafuer einen Hammer
und schlaegt mehrmals von allen Seiten auf die Rinde.
Dadurch laesst sie sich nach und nach in faserigen laenglichen
Stuecken abziehen. Die Rinde ist im getrockneten Zustand
graugruen gefaerbt. Man kann sie gut vom hellen
inneren Holz der Aeste unterscheiden.




Hat man genuegend Rinde abgeklopft, wird sie mit Wasser angesetzt,
so dass sie grosszuegig bedeckt ist und wiederum
drei Tage stehengelassen. Dabei beginnt das Wasser
bereits eine rotbraune Farbe anzunehmen.




Am dritten Tag siebt man die Rindenstuecke heraus
und kocht das verfaerbte Wasser auf. Anschliessend gibt
an die Rinde wieder in das noch heisse Wasser und laesst
es wiederum stehen. Dieser Vorgang wird einige Male wiederholt,
bis die Rinde vollkommen ausgelaugt ist. Zuletzt wird die Brühe
mit Rotwein bei schwacher Hitze eingekocht, bis der Boden des Topfes
nur noch mit wenig Fluessigkeit bedeckt ist. Urspruenglich wurde die
restliche Brühe in einem Pergamentsäckchen an der Sonne getrocknet.




Die getrocknete Substanz hat eine zaehe Konsistenz.
Moechte man sie wieder fluessig machen,
loest man eine kleine Mengen in Rotwein auf.




Nach kurzem Ruehren erhaelt man eine rotbraune Fluessigkeit.
Sollte die Tinte zu duennfluessig sein, muss entsprechend mehr
Rindenextrakt dazugegeben werden.




Die entstandene Tinte ist wasserfest. Die Lichtechtheit wird noch getestet.
Versucht es doch selbst einmal, diese Tinte herzustellen.




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